Mehrere tausend Euro weniger Honorar im Jahr in Zeiten von Inflation

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Diese Nachricht ist ein wahrer Dämpfer für Psychotherapeut:innen mit Kassensitz.

Für völlig inakzeptabel hält es die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), dass die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abgesenkt werden soll. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat dies auf seiner Sitzung am 11. März 2026 gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entschieden. Das Gremium ist eine Sonderform des regulären Bewertungsausschusses für Fälle, in denen Uneinigkeit über Honorarfragen besteht, und setzt sich aus jeweils drei Vertreterinnen und Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbandes sowie drei weiteren unparteiischen Mitgliedern zusammen.
Wären die Honorare entsprechend der Inflation seit 2019 gestiegen, wäre eine Stunde heute 141€ wert. Tatsächlich wurde sie auf 114€ herabgestuft.
„Die psychotherapeutischen Praxen leiden heute schon unter steigenden Kosten und der anhaltenden Inflation. Niemand käme in Tarifverhandlungen auf die Idee, in dieser Lage die Gehälter zu kürzen. Doch ausgerechnet für die Fachgruppe der vertragsärztlichen Versorgung mit den mit Abstand niedrigsten Honoraren wird eine solche Absenkung beschlossen. Das ist skandalös“, so BPtK-Präsidentin Dr. Andrea Benecke.
Nach den Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) erwirtschaften Psychotherapeutinnen nach Abzug der Praxiskosten einen Überschuss von circa 52 Euro je Arbeitsstunde. Das ist gerade einmal die Hälfte dessen, was Praxisinhaberinnen der hausärztlichen Versorgung bzw. der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung im Durchschnitt erwirtschaften. Weil psychotherapeutische Leistungen fast vollständig zeitgebunden sind, ist es Psychotherapeut*innen nicht möglich, mehr Behandlungen pro Zeiteinheit durchzuführen.
Die Botschaft an alle Menschen in psychischer Not ist fatal: Für ihre Behandlung ist offenbar weniger Geld vorgesehen. Gleichzeitig ist es ein Schlag ins Gesicht für alle Psychotherapeuten, die täglich versuchen, diese Versorgung unter ohnehin schwierigen Bedingungen sicherzustellen.